Digitalisierung in Gesundheit, Pflege und Prävention
Innovative digitale Technik kann Pflegekräfte und pflegende Angehörige entlasten, Ärztinnen und Ärzte dabei unterstützen, noch präziser zu behandeln und durch Vernetzung von Daten neues Wissen über Zusammenhänge erschließen. Digitalisierung und Zuwendung schließen sich dabei nicht gegenseitig aus – im Gegenteil. Das bayerische Gesundheitsministerium fördert daher eine Vielzahl von Pilotprojekten, damit Bürgerinnen und Bürger künftig noch besser medizinisch und pflegerisch versorgt werden können.
Aktuelles

E-Health-Kongress 2025
Unter dem Motto „Innovative Pflegetechnik – Kräfte bündeln, Wissen teilen, Kooperationen stärken“ findet am 23. Mai 2025 der E-Health Kongress in Augsburg statt.

Digitalpakt Pflege 2025
Am 29. Januar wurde mit den Digitalpakt Pflege der Startschuss für die „Pflege von morgen“ geschaffen. Sie soll mit der HighCare Agenda selbstbestimmt, ganzheitlich, generationengerecht, regional verfügbar und digital unterstützt ausgestaltet werden.
HighCare Agenda
Zusammen mit Vertreterinnen und Vertretern der Pflegepraxis, der Gesundheits- und Pflegewirtschaft, der Wissenschaft und von Verbänden sowie der pflegenden Angehörigen und Pflegebedürftigen wurde die HighCare Agenda erstellt. Damit werden die Weichen für die Pflege für morgen gestellt – mit Digitalisierung, Künstlicher Intelligenz und Zukunftstechnologien. Mit mehr durchdachter Digitalisierung soll mehr Zeit für persönlichen Kontakt in der Pflege erzielt werden. Für die Maßnahmen der HighCare Agenda nimmt der Freistaat bis 2029 rund 31 Millionen Euro in die Hand. Dieser Einsatz für Digitalisierung in der Pflege ist einzigartig in Europa.
Durch die HighCare Agenda wird es künftig mehr Austausch über beispielsweise Software, Einzelinitiativen oder Fördermöglichkeiten geben. Die teilnehmenden Institutionen werden sich gegenseitig unterstützen, um die Vielzahl an Maßnahmen der HighCare Agenda umzusetzen – getreu dem Motto: „Kräfte bündeln, Wissen sammeln und Kooperationen stärken“.


Projekt „Pflege 2030“
Wie soll eine Pflegeeinrichtung der Zukunft aussehen? Diese Frage steht im Fokus des vom StMGP geförderten 3-jährigen Projektes „Pflege 2030“.
Für das Modellprojekt „Pflege 2030“ kooperiert die Korian Stiftung für Pflege und würdevolles Altern und die Korian Deutschland GmbH gemeinsam mit der Universität Bremen (Prof. Dr. Heinz Rothgang) und dem Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen IIS.
Angesichts des großen Handlungsbedarfs in der stationären Langzeitpflege dient die Pflegeeinrichtung Haus Curanum in Karlsfeld als Modell für eine quantitativ und qualitativ am Bedarf ausgerichtete Pflege im Echtbetrieb. Die Ausstattung der Einrichtung wird mit digitaler Pflegetechnik erweitert sowie die Personalbemessung erforscht und optimiert.
Ziel ist es, das gesamte Projekt in Bezug auf die Pflegequalität umfassend zu evaluieren und modulare Handreichungen zu erstellen, die andere Einrichtungen als Blaupause für eine entsprechende Umsetzung verwenden können. Die Gesamtkosten belaufen sich auf 3,57 Millionen Euro. Das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit, Pflege und Prävention stellt staatliche Haushaltsmittel in Höhe von knapp 3,1 Millionen Euro zur Verfügung. Der ursprüngliche Bewilligungszeitraum vom 7. Oktober 2022 bis 30. September 2025 wurde kostenneutral um 6 Monate bis 31. März 2026 verlängert.
Projekt „DigiMed Bayern“
– Pilotprojekt zur P4 Medizin in Bayern
Die Personalisierte Medizin (auch „P4-Medizin“: prädiktiv, präventiv, personalisiert, partizipatorisch) gilt als eine der weltweit erfolgversprechendsten medizinischen Entwicklungen unter Verwendung digitaler Technologien. Dieser datenbasierte Ansatz lässt einen Quantensprung im Verständnis von Krankheiten und den daraus resultierenden therapeutischen und präventiven Ansätzen erwarten. In den USA, England, Frankreich und China wurden dazu umfangreiche Programme aufgelegt.
Das Pilotprojekt „DigiMed Bayern– Pilotprojekt zur P4 Medizin in Bayern“ ( kurz: „DigiMed Bayern“) ist ein bayerisches Leuchtturmprojekt zur Weiterentwicklung der datenbasierten Medizin. Es wurde am 26. Februar 2019 im Ministerrat vorgestellt. Im Zentrum des Projekts steht die Atherosklerose – die in Bayern und weltweit am häufigsten zum Tode führende Erkrankung.
Von zentraler Bedeutung für das Projekt ist die Verknüpfung von klinischen und epidemiologischen Datensätzen mit individuellen Patientendaten und die Erweiterung durch molekulare Charakterisierung (Omics-Analysen). Zudem soll eine übertragbare, integrierte digitale Infrastruktur geschaffen werden. Die Erkenntnisse aus dem Projekt sollen – so die Erwartung – die Anzahl von schicksalhaften und dramatischen Verläufen als Folge von Herzinfarkten und Schlaganfällen nachhaltig senken.
Das Projekt berücksichtigt auch ethische, rechtliche und soziale Auswirkungen der Arbeitsergebnisse.

Geplante Laufzeit: Q4/2018 bis Q4/2027 (9 Jahre)
Wissenschaftliche Leitung: Deutsches Herzzentrum München
Projektkoordinator: BioM Biotech Cluster Development GmbH
Projektträger: Bayern Innovativ GmbH
Fördernehmer: Deutsche Herzzentrum München, Technische Universität München, Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München, Ludwig-Maximilians-Universität München, Klinikum der Universität München, Helmholtz Zentrum München, Max-Planck-Institut für Biochemie, Leibniz-Rechenzentrum der Bayerischen Akademie der Wissenschaften
Noch mehr Infos auf einen Blick: Flyer zum Projekt


Projekt „CARE REGIO“
Der Pflegesektor sieht sich einem wachsenden Fachkräftemangel und einer gleichzeitig steigenden Anzahl unterstützungs- und versorgungsbedürftiger Menschen gegenüber gestellt. Die Nutzung digitaler Gesundheitstechnologien wird in diesem Zusammenhang als große Chance verstanden, um einen erheblichen Mehrwert für den Pflegebereich zu schaffen. Gleichzeitig ist digitale Technik auch in der Pflege kein Selbstzweck, sondern soll zu Pflegende und Pflegende bestmöglich unterstützen.
Das Projekt „CARE REGIO“ in der Region Bayerisch-Schwaben ist ein Verbundprojekt, das die Möglichkeiten der digitalen Gesundheitstechnologie nutzen möchte. So sollen Ideen und Technologien entwickelt werden, die Pflegende und zu Pflegende mit neuen technisch-digitalen Prozessen und Systemen unterstützen können. Hauptziel des Projekts ist die Entlastung der Pflegekräfte durch Zeit- und Arbeitsersparnis bei gleichzeitig verbesserter Pflegequalität und damit einhergehend einer Erhöhung der Lebensqualität, sowohl für die Pflegenden als auch diejenigen, die gepflegt werden.
Die Konsortialführerschaft und wissenschaftliche Gesamtleitung hat die Hochschule Kempten inne, Projektträger ist die Bayern Innovativ GmbH. Die vier weiteren Konsortialpartner sind die Hochschule Neu-Ulm, die Universität Augsburg, das Universitätsklinikum Augsburg und die Hochschule Augsburg.
Aufgrund der Komplexität wurde das Gesamtprojekt in zwei Phasen unterteilt: In Phase 1 wurden seit 2019 die bestehenden Versorgungsprozesse und -stationen analysiert und die für Phase 2 relevanten Handlungsfelder konstituiert. Das so erarbeitete Transferkonzept befindet sich seit Ende 2020 in der Umsetzungsphase; die Projektlaufzeit beträgt vier Jahre.
Zentrale Handlungsfelder sind die Digitalisierung des Pflegeüberleitungsberichts mit Anbindung an die Telematikinfrastruktur (TI), der Einsatz von technischen Assistenzsystemen in der Pflege (Assistive Systeme), die Schaffung eines digitalen Wissens-Repository („Pflege-Wiki“), die Etablierung eines für die Pflege angepassten Daten-Pools („Pflege Data Lake“), eine wissenschaftliche Begleitung des Vorhabens, sowie ethischer, sozialer und rechtlicher Vorgaben, sowie die Vernetzung relevanter Akteure und entsprechende Öffentlichkeitsarbeit.
Projekt „Reha-TI-Netzwerk II“
Ausbau der Digitalisierung bayerischer Reha-Einrichtungen durch Vernetzung mit Akut-Krankenhäusern über die Telematikinfrastruktur (Reha-TI-Netzwerk II)
Das Vorhaben „Reha-TI-Netzwerk II“ schließt direkt an das Projekt „Digitales Rehabilitationskonsil mit Anbindung an die Telematikinfrastruktur“ (kurz: Reha-/TI-Konsil) an. Die aus dem Vorgängerprojekt gewonnenen Erkenntnisse werden für die weitere Digitalisierung und Vernetzung der stationären Reha-Einrichtungen genutzt. Ziel ist es, den Prozess von der Antragstellung einer Anschlussheilbehandlung (AHB) im Akutkrankenhaus bis zur Aufnahme des Patienten in der Reha-Einrichtung in einem Pilotprojekt zu digitalisieren. Dadurch soll im stationären Bereich die digitale Vernetzung aller an der Rehabilitation beteiligten Akteure – Krankenhäuser, Arztpraxen und Reha-Einrichtungen sowie der Kostenträger – optimiert werden. Daten und medizinische Befunde, die bisher per Brief oder Fax ausgetauscht werden, sollen künftig digital und strukturiert innerhalb des Netzes der Telematikinfrastruktur (TI) ausgetauscht werden.
Darüber hinaus wird das Projektkonsortium die im Vorgängerprojekt Reha-/TI-Konsil bereits entwickelte TI-Anwendung Reha-Konsil erweitern: Neben niedergelassenen Ärzten werden pilotweise auch Krankenhäuser digital mit den Reha-Einrichtungen vernetzt, um eine direkte Kommunikation zwischen Krankenhaus und Reha-Einrichtung zu ermöglichen. Zusätzlich sollen für eine erleichterte und zeitnahe Antragsstellung auch die Kostenträger (Krankenkassen und Träger der Deutschen Rentenversicherung) über das Reha-Konsil eingebunden werden.
Das Vorhaben wird im Zeitraum vom 1. Mai 2022 bis 31. Dezember 2024 von der Ostbayerischen Technischen Hochschule (OTH) Regensburg und dem Unternehmen Monks Ärzte-im-Netz GmbH umgesetzt.


Projekt „DeinHaus 4.0“
Intelligente Technik kann im Alltag helfen. Sie kann dazu beitragen, dass pflegebedürftige Menschen länger in ihrem vertrauten häuslichen Umfeld verbleiben können, wenn sie das möchten. Aber auch pflegende Angehörige und professionelle Pflegekräfte sollen damit entlastet werden.
Um aufzuzeigen, wie Pflegebedürftige mittels intelligenter Assistenztechnik möglichst lange zuhause selbstbestimmt leben können, wurde das Projekt „Vorbildliches Pflegewohnumfeld für Pflegebedürftige“ ins Leben gerufen: „DeinHaus 4.0”. Hierzu soll intelligente Technik erlebbar und sichtbar gemacht werden. Dazu wird beispielsweise in Mustereinrichtungen für unterschiedliche Wohnformen vom Haus über die Wohnung bis hin zu Pflegeeinrichtungen nicht nur veranschaulicht, was technisch möglich ist, sondern vor allem auch, ob es einen tatsächlichen Nutzen für die Anwender gibt. Jedes „DeinHaus 4.0“-Projekt setzt dabei eigene Schwerpunkte bei Forschung und Technik.
Pilotprojekte in verschiedenen Regionen:
Imagefilm „DeinHaus 4.0“
Video zum Projekt „DeinHaus 4.0 – Oberbayern“
Projekt digiDEM BAYERN
Das Forschungsvorhaben „Digitales Demenzregister Bayern“ (digiDEM BAYERN) hat sich das Ziel gesetzt, die Lebensverhältnisse von Menschen mit Demenz und deren Angehörigen zu verbessern. Ziele sind die Bereitstellung digitaler Angebote für Menschen mit Demenz sowie die Einrichtung eines digitalen Wegweisers Demenz für Betroffene und deren pflegende Angehörige. Zusätzlich zielt digiDEM BAYERN darauf ab, eine digitale Unterstützungs- und Partizipationsplattform für das bürgerschaftliche Engagement in der Betreuung von Menschen mit Demenz aufzubauen. Dazu wird ein flächendeckendes bayerisches Demenzregister mit einer zugehörigen Onlineplattform entwickelt. DigiDEM BAYERN ist als ein digital aufgesetztes, bevölkerungsbasiertes Patientenregister konzipiert und wird von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und dem Universitätsklinikum Erlangen im Verbund mit Medical Valley EMN e.V. durchgeführt.
Auf der Webseite des Projektes können Angebote genutzt werden, die Betroffenen im Alltag helfen und die Lebensqualität verbessern. Da Hörverlust zu Steigerung des Demenzrisikos führen kann, bietet digiDEM BAYERN ein digitales Hörscreening an. Mit Hilfe der „Angehörigenampel“ können pflegende Angehörige darin unterstützt werden das Ausmaß ihrer körperlichen und seelischen Belastung zu realisieren. Sie werden über mögliche gesundheitliche Folgen informiert und auf Beratungs- sowie Unterstützungsangebote aufmerksam gemacht. Außerdem stehen die Webinare „Science Watch LIVE“ und die Artikel aus dem „Science Watch“ – Newsletter auf der Internetseite zur Verfügung.
Das Forschungsprojekt wird in der Zeit vom 01.01.2019 bis 31.12.2023 durchgeführt.

Projekt „digiOnko“
– Integratives Konzept zur personalisierten Präzisionsmedizin in Prävention, Früherkennung, Therapie und Rückfallvermeidung am Beispiel von Brustkrebs
© A. Wünsche

Brustkrebs ist die insgesamt häufigste Krebsart in Bayern. Von den Ergebnissen des Projekts „digiOnko – Integratives Konzept zur personalisierten Präzisionsmedizin in Prävention, Früherkennung, Therapie und Rückfallvermeidung am Beispiel von Brustkrebs“ sollen möglichst viele Betroffene und deren Angehörige (Fokus Nordostbayern) profitieren.
Zu den Arbeitspaketen von digiOnko zählen im Wesentlichen die Implementierung der integrierten Versorgung im Rahmen der Früherkennung und des Screenings, die Einrichtung von „Digital Home Healthcare Centern“ (Nutzung von medizinischen Daten, die im häuslichen Umfeld erhoben werden), die Entwicklung von neuen und die Einbindung von bestehenden spezifischen Health Apps, die Auswertung von bestehenden Daten mittels Künstlicher Intelligenz (KI) und der Aufbau einer interoperablen Vernetzungsinfrastruktur für Kliniken, Praxen und Früherkennungseinrichtungen sowie die Entwicklung eines integrierten Patientenportals.
Fördernehmer des Projekts sind das Universitätsklinikum Erlangen, die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, der Medical Valley EMN e.V., die Siemens Healthcare GmbH, das Universitätsklinikum Würzburg sowie das Universitätsklinikum Regensburg. Daneben finden Kooperationen mit Dritten statt (Novartis Pharma GmbH) oder sind im Projektverlauf angedacht (z.B. mit der Bayerischen Krebsgesellschaft oder den Krankenkassen). „digiOnko“ hat eine geplante Laufzeit von fünf Jahren von Oktober 2020 bis September 2025.
Imagefilm „DigiOnko“
Projekt „Themeninsel E-Health“ in den BayernLabs
Die BayernLabs sind öffentlich zugängliche Zentren für digitale Innovationen. Mit der „Themeninsel E-Health“ können Besucherinnen und Besucher dort auch zahlreiche Facetten der digitalen Gesundheitsversorgung erleben. Entwickelt vom Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) stellt die Ausstellung grundlegende Strukturen sowie Entwicklungen der Digitalisierung im Gesundheitswesen vor. Außerdem werden exemplarisch potentielle Einsatzbereiche oder bereits verfügbare, erschwingliche Anwendungen aufgezeigt.
Ziel der Themeninsel ist es, Besucherinnen und Besuchern eine verständliche Einführung in die Thematik zur eigenen Meinungsbildung zu bieten. Um das Interesse zu wecken, informiert eine interaktive Präsentation über relevante Aspekte wie Telemedizin, Gesundheitsdaten, Robotik oder die elektronische Patientenakte (ePA). Um den praktischen Nutzen nicht nur abstrakt darzustellen, geben Exponate „zum Anfassen“ Beispiele für den Einsatz von E-Health im Alltag:
Ein programmierbarer Tablettenspender, ein sensorbasiertes Glukosemessgerät sowie ein Tablet mit ausgewählten Gesundheitsapplikationen (Apps) veranschaulichen mögliche digitale Unterstützungsangebote. Ebenso werden mit dem HomeCare-Roboter Temi sowie der MemoreBox als therapeutische Spielekonsole weitere Ansätze spielerisch demonstriert.
Die Themeninsel wurde im August 2021 eröffnet und ist seitdem zeitweise an den verschiedenen Standorten der BayernLabs zu sehen. Die BayernLabs als Initiative des Bayerischen Staatsministeriums der Finanzen und für Heimat (StMFH) sollen der interessierten Bevölkerung technische Anwendungen praktisch präsentieren. Aktuelle Anwendungen werden dabei für die Besucherinnen und Besucher erlebbar (bspw. Drohnen oder 3D-Druck). Die Einrichtungen richten sich gezielt an die breite Öffentlichkeit und sollen einen ersten Einblick in die Möglichkeiten digitaler Anwendungen vermitteln.

Modellprojekt „DigiMFA“
Modellprojekt für die Reformierung der Ausbildung der Medizinischen Fachangestellten – „DigiMFA“
Das Modellprojekt für die Reformierung der Ausbildung der Medizinischen Fachangestellten („DigiMFA“) hat sich zum Ziel gesetzt, wissenschaftlich zu untersuchen, welche Bedarfe und Anforderungen an eine zeitgemäße Ausbildung zum/zur medizinischen Fachangestellten (MFA) in einer von der digitalen Transformation bestimmten Arbeitswelt bestehen.
In dem Modellprojekt „DigiMFA“, das von Frau Professorin Eveline Wittmann von der Technischen Universität München (TUM) geleitet wird, soll eine digitale Musterpraxis erprobt und wissenschaftlich evaluiert werden. Hierzu wird das Digitallabor der TUM (TUM DigiLLab), in dem die TUM auch Lehrkräfte ausbildet, verwendet. Das Digitallabor simuliert dabei die Arbeitsumgebung in einer Arztpraxis. Anhand digitaler Lernsituationen, die die Auszubildenden in der digitalen Musterpraxis erleben, soll untersucht werden, ob ein Beitrag zur Verbesserung der digitalen Grundkompetenzen in der Ausbildung von MFA geleistet werden kann.
Mithilfe der digitalen Lernsituationen soll zum einen der Nutzen der Digitalisierung für medizinische Versorgungsprozesse deutlich gemacht werden. Es soll aber auch vermittelt werden, welche Konsequenzen Fehler im Umgang mit Daten von Patientinnen und Patienten haben, wie etwa fehlerhafte Eingaben oder mangelhafter Datenschutz. Realsimulationen wie die digitale Musterpraxis bieten gerade dafür besondere Chancen, weil diese Folgen in der alltäglichen Versorgungspraxis oft nicht dargestellt oder, wie die Folgen mangelnden Datenschutzes, oft gar nicht erfahren werden können.
Das Projekt wird vom 1. Dezember 2023 bis zum 31. Dezember 2024 durchgeführt. Die Kassenärztliche Vereinigung Bayern (KVB) steht dem Projekt beratend zur Seite.
Projekt „BORN“
Das Bayernweite-Onkologische-Radiologie-Netzwerk (kurz: „BORN“) ist ein bayerisches Leuchtturmprojekt mit dem Ziel der Erzeugung einer umfassenden Datengrundlage, um bildbasierte Biomarker entwickeln und maschinelle Lernverfahren für Künstliche Intelligenz (KI) schaffen zu können. Hierzu werden onkologische Gesundheitsdaten standardisiert, strukturiert und prozessorientiert erhoben und ausgewertet. Langfristig sollen hiervon viele Krebspatientinnen und -patienten in Bayern profitieren können.
BORN wurde 2022 gestartet und die erste Phase soll Ende 2023 abgeschlossen sein. Während des Projektes erarbeiten die sechs bayerischen Universitätskliniken (Augsburg, Erlangen, Regensburg, Würzburg und die zwei Standorte in München) gemeinsam mit der Firma Brainlab/Mint standardisierte Befundberichte in der onkologischen Bildgebung für vorerst sechs Tumorarten. Besonderes Augenmerk wird bei diesem Projekt auf die datenschutzrechtlichen Aspekte bei der Nutzung von Gesundheitsdaten im Kontext außeruniversitärer Forschung gelegt.
BORN soll auf Strukturen in der universitären Radiologie (RACOON) aufbauen, die sich während der COVID-19-Pandemie etabliert haben und ergänzt das Bayerische Zentrum für Krebsforschung (BZKF) um eine vernetzende Komponente.
Projekt „digiBRAVE“
Die Bayerische Staatsregierung fördert das Pilotprojekt digiBRAVE (digitales BayeRisches (früh)diAgnostik, präVention- und thErapieprogramm Depression), mit dem Ziel, die Gesundheitsförderung bei Menschen mit Depressionen zu verbessern und die Krankheitslast zu reduzieren. Im Fokus stehen dabei Depressionen, die im Zuge von somatischen (körperlichen) Grunderkrankungen auftreten. Das Projekt beinhaltet die gezielte Konzeptionierung, die interprofessionelle Durchführung sowie die Evaluation von unterschiedlichen Maßnahmen sowie digitalen Angeboten, welche abhängig von Ausprägung und Schweregrad der depressiven Entwicklung sowie individuellen Vorlieben durch Patientinnen und Patienten wahrgenommen werden können.
DigiBRAVE setzt damit beim aktuell noch vorhandenen Defizit an, das bei Erhebungen sowie Konzeptionen unter Anwendung von Methoden der digitalen Medizin zur Vorhersage, Diagnostik, Prävention und Therapie von Depressionen bei Menschen mit einer schweren somatischen Erkrankung und zur Individualprädiktion der Entstehung depressiver Erkrankung besteht. Weiterhin werden die Möglichkeiten der digitalen Medizin zur gestuften Behandlung depressiver Erkrankungen noch unzureichend genutzt.
Elementar bei digiBRAVE ist deshalb eine interdisziplinäre Durchführung. Daher arbeiten Fächer der digitalen Medizin, Psychiatrie und Psychotherapie, Neurologie, Ethik, Allgemeinmedizin sowie Epidemiologie an der Universität Augsburg eng zusammen, sodass ein multiprofessionelles Hilfenetz implementiert und künftig auf ganz Bayern ausgeweitet werden kann.
Geplante Laufzeit: 1. September 2023 bis 28 April 2025 (18 Monate)
Wissenschaftliche Leitung: Universitätsklinikum Augsburg
Projektkoordinator: Universitätsklinikum Augsburg
Fördernehmer: Lehrstühle für digitale Medizin, Psychiatrie und Psychotherapie, Neurologie, Ethik, Allgemeinmedizin sowie Epidemiologie der medizinischen Fakultät der Universität Augsburg
Projekt „TeleCovid“

Die Corona-Pandemie hat es uns schmerzhaft vor Augen geführt: Es kommt im Ernstfall auf jedes verfügbare Krankenhausbett an. Beim COVID-19-Management war und ist es eine besondere Herausforderung, eine Krankenhauseinweisung so früh wie möglich, jedoch nur, wenn unbedingt nötig, zu erwirken. Dabei ist der Allgemeinzustand der Patienten bei Aufnahme in die Klinik entscheidend. Die Lösung zu einer verbesserten Auslastung medizinischer Ressourcen kann daher in der ambulanten, telemedizinischen Überwachung von Patienten mit nachgewiesener COVID-19 Infektion liegen, die Risikofaktoren für einen schweren Verlauf aufweisen.
Ein Konsortium, angeführt von Wissenschaftlern aus dem Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München, will untersuchen, wie durch kontinuierliches Monitoring die Klinikauslastung gezielt gesteuert werden kann. So soll erreicht werden, dass nur solche Patienten in die Krankenhäuser aufgenommen werden, die wirklich eine stationäre Behandlung benötigen. Zum Einsatz sollen dabei spezielle Sensoren kommen, die Vitalparameter der Patienten messen und an die Klinik übermitteln. Damit gelingt es den Wissenschaftlern auch neue Erkenntnisse über Hinweise zu sammeln, die zu einem schweren Verlauf einer COVID-19 Infektion führen können. Das Potenzial ambulanter, telemedizinischer Überwachung von Patienten für ein solides, zukunftsfähiges und verlässliches Ressourcenmanagement für Kliniken reicht aber über das Fallbeispiel COVID-19 noch weit hinaus und schafft die Grundlage für ein resilientes Gesundheitssystem bei künftigen Infektionskrankheiten.
Das Forschungsprojekt TeleCovid wird vom 1. Oktober 2022 bis zum 30. September 2023 durchgeführt.
Imagefilm „TeleCovid“
Projekt „DocOnLine“
In dem Pilotprojekt „DocOnLine“ sollen nun auch erstmals Pflegeheime an den ärztlichen Bereitschaftsdienst (BSD) der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB) angebunden werden. In voraussichtlich fünf teilnehmenden Pflegeeinrichtungen in ganz Bayern wird im Zeitraum von 1. März 2024 bis 28. Februar 2026 anhand eines zuvor mit den Beteiligten abgestimmten Zeit-, Umsetzungs- und Maßnahmenplans ein ergänzendes und entlastendes Versorgungsangebot in stationären Pflegeeinrichtungen etabliert und erprobt.
Dazu hat die KVB die digitale Plattform „DocOnLine“ etabliert, welche die Versicherten je nach Symptomen und Versorgungsdringlichkeit in die richtige Versorgungsebene steuert und u.a. die Videosprechstunde und weitere ergänzende telemedizinische Services innerhalb und v.a. außerhalb der Praxisöffnungszeiten (BSD) anbietet. Durch das telemedizinische Angebot der Videosprechstunde können Patientinnen und Patienten in Pflegeheimen mit einem Arzt oder Ärztin sprechen, ohne ihren Aufenthaltsort verlassen zu müssen.
Das Projekt verfolgt dabei drei wesentliche Ziele:
- Die Versorgungslage von Bewohnerinnen und Bewohnern der teilnehmenden Pflegeeinrichtungen soll hinsichtlich deren Lebensqualität und deren Lebensbedingungen (u.a. durch Erleichterung mithilfe digitaler medizinischer Abklärung, Stärkung der Gesundheitskompetenz durch barrierefreien Zugang zur medizinischen Versorgung) verbessert werden.
- Gerade auch außerhalb der regulären Praxisöffnungszeiten sollen Pflegekräfte durch die Möglichkeit einer niederschwelligen medizinischen Abklärung unterstützt werden.
- Dadurch soll es zu einer Entlastung der Krankenhäuser (v.a. Notaufnahmen), der Haus- und Fachärzte sowie Bereitschaftspraxen kommen.
Digitalisierungsprojekte im Öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD)
Auch im Öffentlichen Gesundheitsdienst sind viele digitale Projekte in Planung oder befinden sich bereits in der Umsetzung. Dabei werden zum einen Projekte für die vereinfachte Kommunikation zwischen Bürgerinnen und Bürgern und der Verwaltung realisiert. Und zum anderen wird an digitalen Services für behördenübergreifende Kommunikation und Verwaltungstätigkeiten gearbeitet.
Wir stellen an dieser Stelle ein paar Projekte aus dem Verantwortungsbereich des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (ÖGD) im Kontakt mit den Bürgerinnen und Bürgern vor.
Die Projekte des öffentlichen Gesundheitsdienstes werden finanziert von der Europäischen Union – NextGenerationEU.
Hier finden Sie einen Überblick zu den geplanten Services, die die internen Behördenabläufen verbessern.

Zentrum für Telemedizin e.V. (ZTM e.V.)
Das ab 2010 geförderte Zentrum für Telemedizin e.V. (ZTM e.V.) hat es sich zur Aufgabe gemacht, Telemedizin sowie die Digitalisierung im Gesundheitswesen im Interesse der Bürgerinnen und Bürger weiter auszubauen und zu etablieren. Der ZTM e.V. wird vom Staatsministerium für Gesundheit und Pflege institutionell gefördert. Insbesondere widmet sich der ZTM e.V. mit unterschiedlichen Veranstaltungsformaten der Begleitung des Rollouts der Telematikinfrastruktur (TI) und hat in der Vergangenheit verschiedene Telemedizin-Projekte vorangetrieben. Damit wird ein wesentlicher Beitrag zur Verbesserung und Aufrechterhaltung der Gesundheitsversorgung auch in Zukunft sichergestellt.
Weiterführende Informationen
Ein Überblick über das bundesweite Forum elektronische Patientenakten (ePA-Forum) und weitere Veranstaltungen finden Sie hier:
Mehr erfahren
Weiterführende Informationen
Thema Datensicherheit
Die digitale Vernetzung bringt weitreichende Möglichkeiten für Gesundheit und Pflege. Klar ist aber auch: Wer die Vorteile digitaler Anwendungen nutzt, gibt personenbezogene Daten von sich preis. Entscheidend ist deshalb, dass Digitalisierung und der Schutz personenbezogener Daten Hand in Hand gehen. Gerade sensible Daten zur Gesundheit des Einzelnen müssen wirksam vor unberechtigten Zugriffen geschützt werden. Ziel des Freistaats Bayern ist es deshalb, die Vernetzung von Gesundheitsdaten verantwortungsbewusst mitzugestalten. Aus diesem Grund fördert das bayerische Gesundheitsministerium ausschließlich Projekte, bei denen die Fördernehmer selbst nachweisen, dass sie die datenschutzrechtlichen Anforderungen erfüllen.